Basics

In der Europäischen Union leiden rund 30 Millionen Menschen an seltenen Erkrankungen. Die EU stuft eine Erkrankung als selten ein, wenn weniger als ein Mensch je 2.000 Einwohner betroffen ist. Da die zu erwartenden Umsätze mit Wirkstoffen für seltene Erkrankungen gering sind, besteht wenig Anreiz für Pharmaunternehmen, neue Produkte für die Diagnose und Behandlung solcher Krankheiten zu entwickeln. Im Jahr 1999 verabschiedete die EU einstimmig die Verordnung über Arzneimittel für seltene Leiden, die der Pharmaindustrie finanzielle Anreize zur Entwicklung von Therapien für seltene Erkrankungen bietet. Im gegenwärtigen System werden Wirkstoffkandidaten als Arzneimittel für seltene Leiden im Sinne der EU-Verordnung eingestuft und erhalten die Marktzulassung über ein zentralisiertes europäisches Verfahren. Verfügbarkeit und Kostenübernahme fallen weiterhin in die Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten. Obwohl Medikamente für seltene Erkrankungen die Gesundheit von Millionen von Menschen verbessern können, bedeuten die hohen Entwicklungskosten, ein geringer Marktanteil und die Vermarktungsexklusivität einen hohen Kostenaufwand für die einzelnen Patienten und die Gesundheitssysteme.

Das Thema der Medikamente für seltene Erkrankungen wirft wichtige Fragen auf wie
• Wie kann man eine Obergrenze für den Preis eines menschlichen Lebens definieren?
• Wie können die Behandlungsformen für seltene Erkrankungen korrekt bewertet werden?
• Ist als gerecht anzusehen, dass für Patienten mit seltenen Erkrankungen mehr Geld je Einheit gewonnene Lebensqualität bereitgestellt wird als für Patienten mit ähnlichen Gesundheitsproblemen, die mit häufigeren Erkrankungen in Verbindung stehen?
• Sollten Unternehmen Medikamente für seltene Erkrankungen herstellen, um ihre gegenwärtigen Vorteile behalten zu können?

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Info cards

Info cards contain information, data and facts about the topic covered by the kit.
Derzeitige EU-Anreize für Medikamente für seltene Erkrankungen

- zehnjährige Marktexklusivität ab dem Zeitpunkt der Zulassung (kein Konkurrenzprodukt kann innerhalb dieses Zeitraums zugelassen werden, sofern dessen Wirksamkeit nicht nachweislich besser ist)
- finanzielle Anreize (ermäßigte Gebühren, kostenlose Entwicklungsberatung)
- Vorrang für EU-Forschungsprogramme
- nationale Anreize auf Ebene der Mitgliedsstaaten (Steuerermäßigungen).

Medikamente für seltene Erkrankungen in Europa

Im Zeitraum von 2000 bis 2009 hat das Komitee für Arzneimittel für seltene Erkrankungen 873 Anträge auf die Anerkennung eines Produkts im Sinne der EU-Verordnung angenommen. 598 Medikamente wurden als Medikamente für seltene Erkrankungen anerkannt. 60 Medikamente erhielten die Marktzulassung (offizielle Zulassung zur Anwendung). Insgesamt sind 7000 seltene Erkrankungen bekannt. Für die meisten von ihnen existiert kein spezifisches Medikament.

Kostenübernahme für Medikamente zur Behandlung seltener Erkrankungen

Der wesentliche Faktor, der den Zugang zu Medikamenten für seltene Erkrankungen bestimmt, besteht in der Kostenübernahme durch die nationalen Krankenversicherungssysteme. Die jährlichen Kosten solcher Behandlungen (€ 6.000 bis € 300.000) liegen jenseits der Möglichkeiten durchschnittlicher Haushalte.

Wirtschaftliche Vorteile

Die Verordnung über Arzneimittel für seltene Erkrankung hat seit 1999 nicht nur neue Arbeitsplätze in der EU geschaffen, sondern auch den Bereich Forschung und Entwicklung gefördert.

Vorteile für kleine Unternehmen

Die Anreize, die die aktuelle Regulierung vorsieht – Marktexklusivität, Protokollassistenz usw. – haben es kleinen Unternehmen ermöglicht, neue Wirkstoffe zu entwickeln. Ein Drittel der Pharmaunternehmen, die Medikamente für seltene Erkrankungen entwickeln, sind Startups.

Nach der Zulassung und vor der Markteinführung

Nationale oder regionale Regierungen bewerten den therapeutischen Nutzen des Wirkstoffs, um über Kostenübernahme, Preis und Bereitstellung in Krankenhäusern zu entscheiden.

Nachteile von Medikamenten für seltene Erkrankungen

Die Herstellung von Medikamenten für seltene Erkrankungen ist in der Regel teuer und hilft per Definition nur einer kleinen Gruppe von Patienten. Ihr Preis ist daher oft sehr hoch, um die Kosten des Unternehmens erwirtschaften zu können.

Nationale Behörden – Beispiel Großbritannien

Das National Institute of Health and Clinical Excellence vertritt die Auffassung, dass das Gesundheitssystem überhöhte Preise für Medikamente zur Behandlung seltener Erkrankungen zahlt, wenn folgende Aspekte berücksichtigt werden: Schweregrad der Krankheit, nachweisliche Verbesserung des Gesundheitszustands und Lebensbedrohlichkeit der Krankheit. Diese Kriterien variieren unter den einzelnen Mitgliedsstaaten.

Kosten eines Patienten mit seltener Erkrankung ohne Medikament

Eine niederländische Studie mit Hämophilie-Patienten (eine seltene Krankheit) ergab, dass im Jahr 2001 behandelte Patienten 17 Jahre länger arbeiteten als 1972. Die Krankenhauseinweisung bei nichterfolgter Behandlung kann jährliche Kosten in Höhe von 100.000 Euro verursachen.

Einschränkungen des Zugangs zu Medikamenten

Aufgrund von Einschränkungen der Preisgestaltung (z. B. durch unterschiedliche Steuergesetzgebungen), Kostenübernahme (Verzögerungen in einigen Ländern) und geringer Investitionsrendite bieten einige Unternehmen ihr zugelassenes Produkt nicht in allen Mitgliedsstaaten an.

Kosten der Medikamente für seltene Erkrankungen im Gesamthaushalt

Die Kosten der Medikamente für seltene Erkrankungen stellen kein vorrangiges Problem dar (ihr Anteil entspricht nur 1 Prozent oder weniger der Pharmazeutik-Budgets der meisten Mitgliedsstaaten).

Entwicklungskosten von Medikamenten für seltene Erkrankungen

Die Entwicklungskosten solcher Medikamente sind erheblich, fallen jedoch niedriger aus als die Gesamtkosten der gewöhnlichen pharmazeutischen Produkte (klinische Entwicklungsprogramme werden mit weniger Patienten vorgenommen).

Merkmale seltener Krankheiten

Zwei Drittel der seltenen Erkrankungen sind ernst, chronisch und häufig lebensbedrohlich. Zu den Merkmalen gehören frühzeitiges Auftreten, chronische Schmerzen, motorische oder intellektuelle Einschränkungen und in vielen Fällen ein vorzeitiger Tod. Für die Entwicklung von Therapieformen für solche Erkrankungen besteht ein konkreter, ungedeckter Bedarf.

Zulassung von Medikamenten für seltene Erkrankungen in Großbritannien

In Großbritannien muss einem Kostenaufwand von 30.000 Britischen Pfund für ein Medikament zur Behandlung einer seltenen Krankheit ein medizinischer Nutzen für den Patienten gegenüberstehen, der einem Jahr guter Lebensqualität entspricht. Andere Länder wenden diese Methode ebenfalls bei der Kostenübernahme an, setzen jedoch unterschiedliche Schwellenwerte.

Keine zweite Chance

Wenn sich die vorliegenden Daten eines Medikaments zur Behandlung einer seltenen Erkrankung als unzureichend erweisen, gibt es in vielen Fällen keine „zweite Chance“ durch eine weitere klinische Studie, da nicht genügend Patienten vorhanden sind.

Medikamente für seltene Erkrankungen auf dem Markt

In einigen Ländern erreicht ein Teil der zugelassenen Medikamente niemals den Patienten, da ihr Preis zu hoch ist.

Hohe Kosten pro Patient

Die jährlichen Behandlungskosten pro Patient können bis zu 500.000 Euro betragen und während der gesamten Lebenszeit des Patienten anfallen.

Kosten einer Familie mit seltener Erkrankung

In einer Familie, in der ein Kind an einer seltenen Krankheit leidet, gibt in vielen Fällen ein Elternteil seinen Beruf ganz oder teilweise auf. Dadurch sinkt das Einkommen, während die Ausgaben steigen.

Fehlende Harmonisierung in Europa

Die gegenwärtige Regulierung überlässt die praktische Umsetzung im Bereich der Medikamente für seltene Erkrankungen den Mitgliedsstaaten. Die Folge ist eine unzureichende Abstimmung auch innerhalb einzelner Mitgliedsstaaten. Je nach Wohnsitz haben einige EU-Bürger Zugang zu einem bestimmten Medikament, das anderen EU-Bürgern nicht zur Verfügung steht.

Verfügbarkeit von Medikamenten für seltene Erkrankungen

Sobald die Marktzulassung vorliegt, beginnt die gesetzliche Frist von 180 Tagen für die Markteinführung medizinischer Produkte in der EU. In der Praxis beträgt der Zeitraum bis zur Markteinführung allerdings im Durchschnitt 189 Tage, in einigen Mitgliedsstaaten sogar bis zu 700 Tage.

Entwicklungsprozess für Pharmaunternehmen

Der Weg von der Entdeckung eines neuen Moleküls bis hin zur Vermarktung eines Medikaments für eine seltene Erkrankung ist lang (durchschnittliche Dauer: 10 Jahre), teuer (zweistelliger Millionenbetrag) und ungewiss (von zehn getesteten Molekülen erweist sich schließlich nur ein Molekül als therapeutisch wirksam).

Vorteile der Erforschung seltener Erkrankungen

Die Forschungsanstrengungen auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen haben einen entscheidenden Anteil an der Identifizierung der meisten menschlichen Gene sowie bei der Entwicklung eines Viertels aller innovativen medizinischen Produkte mit Marktzulassung für die EU.

Zulassungsverfahren für die Vermarktung in Europa

Da auch die Experten auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen rar sind, findet die Zulassung dieser Medikamente fast ausschließlich auf europäischer Ebene statt, um so vom bestmöglichen verfügbaren Fachwissen profitieren zu können.
Das Zulassungsverfahren muss in weniger als 210 Tagen abgeschlossen sein.

Medikamente für seltene Erkrankungen verbessern die Heilungschancen verbreiteter Krankheiten

Einige Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung seltener Krankheiten entwickelt wurden, erwiesen sich im Nachhinein als wirksam für häufige Krankheiten (z. B. Epoetin-α, das zur Behandlung der Anämie entwickelt wurde, wird nun Patienten verabreicht, die eine Chemotherapie erhalten).

Marktzulassung

Die Entscheidung über die Marktzulassung eines Produkts basiert auf dessen Wirksamkeit, den Risiken und seiner Qualität. Wenn ein Wirkstoff hocheffizient, aber potenziell gefährlich ist, kann die Marktzulassung verweigert werden. Bei der Marktzulassung spielen wirtschaftliche Erwägungen keine Rolle.

Entscheidung über Kostenübernahme

Die Entscheidung über die Kostenübernahme hängt von der Beantwortung folgender Fragen ab: Kann die Gesellschaft die Kosten dieser Behandlung tragen? Ist die Behandlung ihren Preis wert? Die Entscheidung über die Kostenübernahme basiert auf wirtschaftlichen Erwägungen.

Issue cards

Issue cards contain questions, open problems and different points of view about the topic of the kit.
Herausforderungen des Arzneimittelmarkts für seltene ErkrankungenHerausforderungen des Arzneimittelmarkts für seltene Er

Wie können die Kosten niedrig gehalten und Medikamente für Patienten verfügbar gemacht werden, bei einem gleichzeitigen Angebot von finanziellen Anreizen für Unternehmen, damit diese ihre Forschungsanstrengungen intensivieren sowie neue und bessere Medikamente für seltene Erkrankungen entwickeln?

Wirtschaftliche Bewertung versus ethische Fragen

Besteht ein Gegensatz zwischen kollektiven und individuellen Interessen? Ist es richtig, enorme Summen für wenige Menschen auszugeben? Besteht eine moralische Pflicht der Gesellschaft, Menschen nicht allein ihrem Schicksal zu überlassen?

Wer trägt die finanziellen Risiken der Forschung?

Das Gesundheitssystem allein? Wird die Verantwortung mit dem Patienten geteilt? Oder wird die Verantwortung mit dem Inhaber der Marktzulassung geteilt, sollte das Produkt weniger wirksam sein, als zunächst angenommen?

Haben wir alle das gleiche Recht auf Behandlung?

Sollten Patienten, die an einer seltenen Krankheit leiden, Anspruch auf eine Behandlung derselben Qualität wie andere Patienten haben?

Spezielle Verfahren bei der Ressourcenzuweisung

Bei der Förderung der Forschung und Entwicklung von Medikamenten für seltene Erkrankungen werden auf EU-Ebene besondere Verfahren angewandt. Sollten auch bei den Entscheidungen über die Zuweisung von Ressourcen und Kostenübernahme auf nationaler Ebene ein Sonderstatus eingeräumt werden?

Maximierung des medizinischen Nutzens

Die Europäische Union will allen Patienten den gleichen Zugang zu Gesundheitsleistungen von guter Qualität ermöglichen. Sollten Medikamente für seltene Erkrankungen nicht ebenso kosteneffizient wie andere Technologien sein, wenn wir einen größtmöglichen medizinischen Nutzen erzielen wollen?

Die Pflicht zur Hilfeleistung

Wer in Gefahr ist, hat ein Recht auf Hilfe – ganz gleich, welche Kosten dabei entstehen. Sollen wir dieses Prinzip auch dann anwenden, wenn es darum geht, das Leben eines Menschen zu retten, der an einer seltenen und lebensbedrohlichen Erkrankung leidet?

Vorteile für die Allgemeinheit durch Medikamente für seltene Erkrankungen

Wenn ein Medikament für eine seltene Erkrankung gefunden wird, profitiert die Allgemeinheit durch die eingesparten Kosten stationärer Behandlungen, Behinderungen und Berufsunfähigkeit des Patienten sowie von der Versteuerung der Unternehmensgewinne.

Aussichten auf neue Medikamente für seltene Erkrankungen

Für die kommenden zehn Jahre wird die Markteinführung einiger neuer Medikamente erwartet. 85 bis 105 neue Wirkstoffe werden prognostiziert. Die genaue Zahl hängt von der Schnelligkeit der Wirkstoffentdeckung, der Entwicklungszeit und vom Erfolg des jeweiligen Zulassungsverfahrens ab.

Das Solidaritätsprinzip

In Europa basieren die meisten Gesundheitssysteme auf dem Solidaritätsprinzip: Wer mehr hat, leistet einen größeren Beitrag. Könnte dieses Prinzip nicht auch für die Behandlung von lebensbedrohlichen seltenen Erkrankungen gelten?

Medikamente für seltene Erkrankungen und öffentliche Mittel

Als Voraussetzung für eine Kostenübernahme durch das Gesundheitssystem muss das Medikament sicher, wirksam und kosteneffizient sein. Kann von Medikamenten für seltene Erkrankungen ein ausreichender Umsatz erwartet werden, der die eingesetzten öffentlichen Mittel wieder hereinholt, oder sollen die Medikamente zentral subventioniert werden?

Einschränkungen aufgrund von lokalen Entscheidungen

Zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten bestehen erhebliche Unterschiede. In einigen Ländern werden Medikamente für seltene Erkrankungen über lokale Krankenhäuser finanziert, wobei keine Garantie dafür besteht, dass diese Medikamente die Patienten erreichen.

Wert für die Allgemeinheit

Ist die Kostenübernahme eines nicht kosteneffizienten Medikaments gerechtfertigt, wenn die Öffentlichkeit bereit ist, einen Teil des Gesundheitsgewinns aufzugeben, den das Gesundheitssystem ermöglicht?

Der utilitaristische Ansatz

Bei Entscheidungen über schwierige ethische Fragen versucht dieser ‘ Ansatz den größtmöglichen Nutzen der größtmöglichen Anzahl von Personen zu bieten. Stellt die Investition großer Summen für seltene Erkrankungen ein Verstoß gegen dieses Prinzip dar?

Recht auf Gesundheitsversorgung

Artikel 2 des Europäischen Abkommens über Menschenrechte schützt das Recht auf Leben jedes Einzelnen.

Klinische Nachweise für Medikamente zur Behandlung von extrem seltenen Erkrankungen

Klinische Nachweise für Medikamente zur Behandlung von besonders seltenen Krankheiten basieren im Allgemeinen eher auf kurzfristigen Ergebnissen als auf ihrer langfristigen Wirksamkeit, und das Verhältnis zwischen beiden Kriterien kann unklar sein. Wie kann der Nutzen von Wirkstoffen unter diesen Voraussetzungen nachgewiesen werden?

Bewertung von Medikamenten für seltene Erkrankungen

Zentrale Strukturen zur Bewertung von Wirkstoffen fördern die Entwicklung von Medikamenten, die Patienten helfen, erlauben eine schnelle Verfügbarkeit, bieten Wahlmöglichkeiten und eine effiziente medizinische Versorgung.

Verfügbarkeit von Therapien

Selbst wenn ein Wirkstoff bereits existiert, steht dieser den Patienten womöglich noch nicht zur Verfügung. Dem Zugang zu solchen Medikamenten gehen oft politischer Druck, Rechtsmittel sowie ein unermüdliches Eintreten für diesen Anspruch voraus. Was geschieht mit Patienten, die zu krank zum Kämpfen sind?

Opportunitätskosten

Gilt nicht in einer Gesellschaft wie unserer, in der begrenzte Geldmittel nicht alle Bedürfnisse decken können, der Grundsatz, dass für eine bestimmte Leistung ausgegebenes Geld nicht für eine andere Leistung zur Verfügung steht?

Vorrang der häuslichen Pflege gegenüber Medikamenten für seltene Erkrankungen?

Für manche Patienten können Geldmittel, die für häusliche Pflegeleistungen bereitgestellt werden, einen größeren Zugewinn an Lebensqualität ermöglichen, als Ausgaben in der gleichen Höhe für Medikamente zur Behandlung seltener Erkrankungen. Sollte die häusliche Betreuung der Patienten vorrangig unterstützt werden?

Vorrang der Medikamente für seltene Erkrankungen gegenüber der häuslichen Pflege?

Krankheitsverändernde Therapien bieten im Gegensatz zu Pflegeleistungen die Chance auf einen Zugewinn an Wissen, das Heilungsmöglichkeiten schaffen oder zumindest eine Verschlechterung des Krankheitsbildes verhindern kann.

Seltene Erkrankungen und Versicherungen

Für die meisten seltenen Erkrankungen sind keine zugelassenen Therapien verfügbar. Viele seltene Krankheiten werden mit Medikamenten behandelt, die für andere Krankheiten bestimmt sind. Krankenversicherungen verweigern bei solchen Off-Label-Behandlungen häufig die Kostenübernahme, da die Medikamente für einen Zweck eingesetzt werden, für die sie nicht zugelassen wurden.

Die Opfer der Marktexklusivität

Überlegen Sie, inwiefern die Regelung der Marktexklusivität potenzielle Behandlungen verhindert und Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Preisen vom Markt ferngehalten haben könnte.

Die „Salami-Taktik“

Pharmaunternehmen können eine Krankheit beliebig definieren und auf diese Weise eine Einstufung eines Wirkstoffkandidaten mit großem Marktpotenzial als „Arzneimittel für seltenes Leiden“ erreichen.

Preispolitik

Im Sinne des Solidaritätsprinzips zwischen den Mitgliedsstaaten sollen die Preise eines Medikaments je nach der wirtschaftlichen Stärke jedes Landes festgelegt werden. Die höheren Preise in wohlhabenden Ländern würden wie im Fall der AIDS-Medikamente günstigere Preise in ärmeren Ländern ermöglichen.

Story cards

Audrey Adjas
Ich bin Audrey und arbeite als Krankenschwester. Vor einiger Zeit wurde ich Zeugin eines Gesprächs unter Ärzten über Medikamente für seltene Erkrankungen. Es ging um die hohen Kosten dieser Medikamente, und ich erinnere mich, dass ich diese Betrachtungsweise als unfair empfunden habe. Vor zwei Jahren kam mein Sohn auf die Welt. Er leidet an einer seltenen Krankheit. Bisher existiert kein Medikament für seine Krankheit. Ich würde alles dafür tun, um ihm zu helfen. Meiner Meinung nach lässt sich menschliches Leben nicht in materiellen Kategorien bewerten. Solange das Problem nicht in der eigenen Familie besteht, mag man anders darüber denken, aber wenn man selbst betroffen ist, dann wird einem bewusst, dass jeder Mensch ein Recht auf Hoffnung hat.
Mary Thomas
Ich leite ein Pharmaunternehmen in Großbritannien. Trotz des schwierigen Wirtschaftsumfelds im vergangenen Jahr ist der Wert meines Unternehmens um 40 Prozent gestiegen. Wir haben mit Erfolg ein alternatives Geschäftsmodell umgesetzt und nicht wie die großen Pharmakonzerne auf häufig eingesetzte Medikamente für gängige Krankheiten gesetzt, die enorme Marketingbudgets zur Vermarktung dieser Produkte unter den Ärzten benötigen. Wir entwickeln Wirkstoffe für seltene Krankheiten. Da unser Markt klar definiert ist, halten sich unsere Marketingausgaben in Grenzen, so dass wir unser Geld fast ausschließlich in die Forschung investieren können. Vor 12 Jahren hatten wir noch fünf Mitarbeiter. Heute beschäftigen wir 450 Mitarbeiter und leisten einen echten Beitrag zur britischen Wirtschaftsleistung.
Alexandru Dumitrescu
Ich habe eine seltene Krankheit. Seit langer Zeit hoffe ich auf eine Behandlungsmöglichkeit. Vor einigen Jahren sagte mir mein Arzt, dass ein neues Medikament auf den Markt kommen soll. Vor wenigen Monaten habe ich aus dem Internet erfahren, dass dieses Medikament eines der neu entwickelten Wirkstoffe für seltene Erkrankungen ist. Ich dachte natürlich, dass ich dieses Medikament bekommen würde. Das ist leider nicht der Fall. Das Pharmaunternehmen hat die EU-Marktzulassung für dieses Medikament erhalten, weil es wirksam und vergleichsweise sicher ist. Aber hier in Rumänien wurde die Kostenübernahme abgelehnt. Es ist unfassbar, dass eine Behandlungsmöglichkeit existiert, die ich aber nicht erhalten darf.
Fiona Javara
Als ich 27 Jahre alt war, wurde bei mir multiple Sklerose diagnostiziert. Seit dem ist es mir gelungen, ein aktives Leben zu führen und meine Krankheit mit Medikamenten zu kontrollieren. Dennoch lebe ich mit der Möglichkeit, dass diese Medikamente eines Tages ihre Wirkung verlieren. Ich habe gehört, dass das nationale Gesundheitssystem eine neue Therapie für meine Krankheit abgelehnt hat, weil sie angeblich nicht „kosteneffizient“ ist (nicht lohnenswert für die Gesellschaft). Die Kosten von 100.000 Euro pro Jahr für die Behandlung eines Mädchens mit einer seltenen Erkrankung werden übernommen, aber für die Behandlung meiner häufigeren Krankheit (von der 1 bis 1000 Menschen betroffen sind), die nur 15.000 Euro pro Jahr kostet, ist kein Geld übrig. Das macht mir große Sorgen.
Leila Suleiman
Mein Name ist Leila, ich arbeite als Ärztin mit Patienten, die an einer seltenen Krankheit leiden. In meinem Land wird derzeit diskutiert, ob die Kosten eines neuen Medikaments für diese Erkrankung übernommen werden sollen. Ich höre viel über zu hohe Kosten, aber ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt. Das Medikament wird 400.000 Euro jährlich pro Person kosten. Wenn 100 Patienten behandelt werden, ergeben sich Kosten von 40 Mio. Euro. Zwar kostet ein gewöhnliches Medikament gegen Bluthochdruck nur 144 Euro pro Jahr und Patient, für die Behandlung von 8 Millionen Patienten entstehen hingegen Kosten von 1,52 Mrd. Euro. Der Kostenaufwand für eine weit verbreitete Krankheit ist also wesentlich höher.
Professor Jack Brown
Ich arbeite am Institute of Health in London. Ich meine dass die gegenwärtige Politik auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen viele Schlupflöcher lässt. Zum Beispiel das Medikament für die Krankheit XYZ, die weltweit 10.000 Menschen betrifft. Die Behandlung eines Patienten kostet jedes Jahr zwischen 200.000 und 600.000 €. Der Wirkstoff wurde im US National Institutes of Health entwickelt und von einem Pharmaunternehmen hergestellt. Das Unternehmen begründete den hohen Preis mit dem schwierigen Herstellungsverfahren. Inzwischen sind die Herstellungskosten durch die Verwendung von genetisch modifizierten Zellen deutlich gesunken. Trotzdem wurde der Preis des Medikaments bis heute nicht gesenkt. Es ist unverantwortlich, dass für dieses Medikament immer noch ein so hoher Preis verlangt wird.
Martas Geschichte
Meine Tochter ist 12 Jahre alt und leidet an Hyperammonämie, einer seltenen Krankheit, die eine schädliche Erhöhung des Ammoniakspiegels im Körper verursacht. Die Krankheit wird mit Natriumphenylbutyrat behandelt. Ein Pharmaunternehmen verfügt nun über die Marktzulassung für diesen Wirkstoff und verlangt 900 Euro je 300 Gramm. Wir zahlen also 3 Euro je Gramm. Als der gleiche Wirkstoff noch vom Apotheker zubereitet und als Chemikalie an ein Labor verkauft wurde, berechnete dieser nur 30 Cents! Die Behandlung ist jetzt extrem teuer geworden. Angeblich ist die Qualität auch besser geworden, aber ich fürchte, dass ich vom Staat nicht die gesamten Kosten erstattet bekomme.
Francois' Geschichte
Ich arbeite als geschäftsführender Vizepräsident bei einem Pharmaunternehmen, das ein erfolgreiches Medikament für eine seltene Krankheit entwickelt hat. Angesichts der hohen Entwicklungskosten und der Vermeidung von stationären Therapien halte ich sechsstellige Behandlungskosten pro Patient bei einer seltenen Krankheit für gerechtfertigt. Bis zur erfolgreichen Markteinführung können pharmazeutische Produkte bis zu 100 Mio. Euro kosten. Die Entwicklung dieser Wirkstoffe ist extrem teuer und mit hohen Risiken verbunden – weniger als ein erforschter Wirkstoff erreicht schließlich den Markt. Diese Faktoren müssen in die Preisgestaltung einfließen.

Policies

The policy positions on which participants vote after the discussion. It is always possible for a group to make their own policy and vote on that as well.

Aufgrund beschränkter Ressourcen besteht eine Obergrenze für die Ausgaben, und es sollten nur kosteneffiziente Medikamente erstattet werden, von denen eine größere Anzahl von Patienten profitiert. Wenn der Einkäufer eines Medikaments für eine seltene Krankheit die Möglichkeit hat, entweder 10 Patienten mit Medikament A oder 1 Patienten mit Medikament B zu behandeln, sollte er sich in jedem Fall dafür entscheiden, 10 Patienten mit Medikament A zu behandeln.

Generell sollten nur kosteneffiziente Medikamente erstattet werden, bei Medikamenten für seltene Krankheiten sollte aber ein anderer Ansatz als bei Medikamenten für häufige Krankheiten verfolgt werden. Bei Zweifeln über die Kosteneffizienz von Medikamenten für seltene Krankheiten sollten diese in bestimmten Fällen ausnahmsweise erstattet werden.

Wie bei Punkt 2, wenn jedoch Zweifel über die Kosteneffizienz von Medikamenten für seltene Krankheiten bestehen, sollte im Sinne des Patienten entschieden und das Medikament systematisch erstattet werden.

Die Gesundheit ist für Europäer ein Bereich höchster Priorität. Ebenso, wie die Bemühungen zur Rettung von Menschen nach einem Unfall keinen Beschränkungen unterliegen, sollten auch die Bemühungen zur Rettung von Patienten mit einer seltenen Krankheit nicht beschränkt sein. Die Kosteneffizienz sollte keinen Parameter darstellen, auf dessen Grundlage Entscheidungen über eine Kostenerstattung getroffen werden.

Advanced

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