Basics

Kurz nach der Geburt eines Babys werden auf der Entbindungsstation mehrere Tests vorgenommen. Das Neugeborenenscreening beinhaltet eine Reihe von genetischen Tests oder physischer Routineuntersuchungen, um erkennbare Fehlentwicklungen auszuschließen, darunter ein Hörtest in den ersten Lebenswochen. Die Tests liefern Hinweise auf das mögliche Risiko des Babys, an einer der seltenen, aber gefährlichen Krankheiten zu leiden, noch bevor erste Anzeichen für eine Erkrankung auftreten. Die frühzeitige Diagnose einer Krankheit ermöglicht in einigen Fällen eine Behandlung des Neugeborenen, mit der Schäden reduziert oder vermieden werden können. Neugeborenenscreenings können zusätzliche Informationen über die Gesundheit und Risiken der Eltern und Familienangehörigen des Neugeborenen und Erkenntnisse über das wahre Ausmaß der Erkrankung liefern.

Einige renommierte Institutionen haben Kriterien für die Durchführung von Neugeborenenscreening erstellt, derzeit werden die getesteten Krankheiten jedoch von nationalen Behörden und einzelnen Krankenhäusern bestimmt. Aus diesem Grund variieren die Neugeborenenscreenings erheblich innerhalb der EU.

Neugeborenenscreenings werfen einige Fragen auf: Welche Datenschutzbestimmungen gelten für die Screeningresultate? Ist die Einwilligung der Eltern zur Durchführung der Tests erforderlich? Sind Befürchtungen vor Diskriminierung berechtigt? Wäre ein Screening der gesamten Bevölkerung möglich, und welche Kriterien sollten bei der Auswahl der getesteten Krankheiten angewandt werden? Sollten Personen auf Krankheiten getestet werden, für die keine Behandlungsmöglichkeit besteht?

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Info cards

Info cards contain information, data and facts about the topic covered by the kit.
Ursachen seltener Krankheiten

80 Prozent der seltenen Krankheiten haben genetische Ursachen. Sie können vererbt werden oder durch eine spontane Genmutation oder Chromosomenaberration entwickelt werden. Betroffen sind zwischen 3 und 4 Prozent aller Geburten.

Wie und wann wird das Neugeborenenscreening vorgenommen?

In den meisten Fällen wird dem Baby wenige Tage nach der Geburt an der Ferse eine Blutprobe entnommen (die Anzahl der Tage variiert von Land zu Land), um lebensbedrohende genetisch bedingte Krankheiten zu erkennen.

Politische Zuständigkeit für Neugeborenenscreenings

Die Zuständigkeit kann auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene liegen und von EU-Land zu EU-Land variieren. Internationale Kriterien, Budgets und andere Faktoren können die Praxis der Neugeborenenscreenings beeinflussen.

Was sind genetische Neugeborenenscreenings?

Es handelt sich hierbei um einen DNA-Test zur Erkennung oder zum Ausschluss genetisch bedingter Erkrankungen, die auf künftige Generationen übertragbar sind oder nicht.

Neugeborenenscreenings in Europa

In vielen EU-Ländern werden 80 Prozent der Neugeborenen auf eine Reihe von Krankheiten getestet. In einigen osteuropäischen Ländern wie Rumänien oder die Türkei ist die Abdeckung noch geringer.

Mangel an nationalen Programmen

In vielen europäischen Ländern besteht kein oder nur ein teilweise definiertes nationales Programm. Stattdessen bestimmen einzelne Screeningzentren, welche Tests vorgenommen werden.

Physische Neugeborenenscreenings

Die Augen der Neugeborenen werden auf Krankheiten wie Grauer Star, das Herz auf Herzfehler, die Hüften auf Dysplasien und die Hoden auf Kryptorchismus untersucht.

Gesetzgebung für genetische Neugeborenenscreenings

Mehrere internationale Maßnahmen kontrollieren die Anwendung genetischer Tests. Aber diese sind weder bindend für nationale Regierungen, noch können sie verhindern, dass in einigen EU-Mitgliedsländern Arbeitgeber von Angestellten die Offenlegung genetischer Informationen verlangen.

Vorteile durch EU-weit harmonisierte Neugeborenenscreenings

Aufgrund des relativ gleichartigen genetischen Hintergrunds der meisten EU-Bevölkerungen und ähnlicher Gesundheitssysteme könnten Neugeborenenscreenings für dieselben Krankheiten eine Basis für wichtige präventive Gesundheitsmaßnahmen bilden.

Screening wird kosteneffizienter

Mit der Einführung der Tandem-Massenspektrometrie (Tests für mehrere Krankheiten gleichzeitig) im vergangenen Jahrzehnt sind Neugeborenenscreenings für eine Gruppe von Krankheiten kosteneffizienter geworden.

Neugeborenenscreenings sind mehr als Tests.

Es handelt sich um ein koordiniertes System aus Aufklärung, Untersuchung, Folgeterminen, Diagnose, Behandlung, Begleitung und Programmevaluierung.

Die Bedeutung der frühzeitigen Diagnose

Die frühzeitige Diagnose kurze Zeit nach der Geburt in Verbindung mit geeigneter genetischer Beratung und pränataler Diagnostik in betroffenen Familien bilden ein sehr effizientes Präventivprogramm.

Vorteile durch Neugeborenenscreenings – Fallstudie

Phenylketonurie — verursacht bei Nichtbehandlung irreparable geistige Retardierung, kann aber mithilfe einer eingeschränkten Diät kontrolliert werden. Diese Erkrankung tritt bei 1 von 15.000 Neugeborenen auf, in einigen EU-Ländern häufiger.

Die Bedeutung von Sensitivität und Spezifität

Eine Untersuchungsmethode muss sowohl sensitiv – sie sollte alle oder fast alle Erkrankungen identifizieren – als auch spezifisch sein – sie sollte die Anzahl der falschpositiven Ergebnisse minimieren.

Beispiele falsche Untersuchungsergebnisse

Im Jahr 2007 wurden 3,5 Millionen Neugeborene in den USA auf die Ahornsirupkrankheit getestet (eine seltene Krankheit). Von diesen erhielten 1.249 Neugeborene ein positives Ergebnis, nach weiteren Tests wurden jedoch nur 18 Fälle dieser Krankheit bestätigt. Der Rest war falschpositiv. Falschpositive Ergebnisse treten auf, wenn ein Test zu sensitiv ist.

Neugeborenenscreenings und Träger

Neugeborenenscreenings wurden ursprünglich entwickelt, um Erkrankungen festzustellen. Heute können die Test auch Träger identifizieren (Personen mit einem Allel für das betroffene Gen, aber ohne Symptome).

Der Fall der Mukoviszidose

Mukoviszidose ist eine unheilbare, aber kontrollierbare Erkrankung. Mit frühzeitigen Diagnosen und Neugeborenenscreenings können lange Diagnostikprozesse und Krankenhauseinweisungen vermieden werden, und für die betroffenen Familien wird die Planung erleichtert. Die Untersuchungen erfordern Folgeuntersuchungen auch von nicht betroffenen Neugeborenen, und nicht alle Krankheitsfälle werden erkannt.

Gesetzliches Verbot von Diskriminierung aufgrund von genetischen Informationen

Der 2008 vom US-Kongress unterzeichnete Genetic Information Non discrimination Act (GINA) verbietet die Diskriminierung aufgrund von genetischen Informationen im Zusammenhang mit Krankenversicherungen und Beschäftigungsverhältnissen. Das Gesetz untersagt außerdem Versicherern, Versicherungsschutz wegen genetischer Daten des Antragstellers zu verweigern.

Genetische Erkrankungen über mehrere Generationen

Genetische Krankheiten werden vererbt. Ein häufiges Vererbungsmuster der Krankheit besteht, wenn beide Elternteile Träger sind – sie sind selbst nicht krank, tragen aber die Mutation eines der beiden Gene in sich. In diesem Fall besteht eine 25-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass jedes der Kinder betroffen ist.

WHO-Kriterien zur Auswertung der Screenings

1) Die Krankheit ist ein bedeutendes Gesundheitsproblem der Bevölkerung und kann frühzeitig erkannt werden.
2) Es existieren ein geeigneter Test und Screenings für alle Neugeborenen.
3) Es besteht eine Behandlungsmöglichkeit und herrscht Konsens darüber, wer die Behandlung vornimmt.
4) Screening, Diagnose und Behandlung sollten wirtschaftlich ausgewogen sein.

Einverständnis für Neugeborenenscreenings in der EU

In 12 EU-Mitgliedsländern ist ein schriftliches Einverständnis für die Durchführung von Neugeborenenscreenings erforderlich. In 4 Ländern reicht eine mündliche Einverständniserklärung. In 3 Ländern wird keine Einverständniserklärung erbeten.

Maßnahmen für Minderheiten

Drei europäische Länder wenden bei Neugeborenenscreenings spezielle Maßnahmen für ethnische Minderheiten an. (Beispiel: Großbritannien beschäftigt Dolmetscher und behandelt kulturelle Unterschiede im Rahmen der Ausbildung der Mitarbeiter).

Die Bedeutung einer angemessenen Beratung

Eine Studie hat ergeben, dass 15 Prozent der Familien ein Jahr nach der Identifizierung eines Trägers im Rahmen des Neugeborenenscreenings nicht wissen, ob der Trägerstatus gesundheitliche Probleme mit sich bringt.

Verfügbarkeit von Neugeborenenscreenings

Obwohl für eine Reihe von seltenen Krankheiten zuverlässige Neugeborenenscreenings und Diagnosen möglich sind, stehen diese Maßnahmen nicht in allen EU-Mitgliedsstaaten zur Verfügung (z. B. im Fall der Mukoviszidose).

Genetische Informationen und Datenschutz

Der dänische Ethikrat betrachtet genetische Informationen als Sonderfall, da sie nicht nur Aussagen über eine bestimmte Person ermöglichen, sondern auch über deren Angehörige, und weil sie sowohl Informationen über Einzelpersonen als auch über die Bevölkerung liefern.

Die Verzögerung einer Diagnose hat folgende Konsequenzen:

-Mehr Kinder kommen mit derselben Krankheit auf die Welt
-Unzureichende Unterstützung der Familien
-Verschlechterung des Zustands des Patienten oder Tod
-Vertrauensverlust in das Gesundheitssystem.

Diagnosebestätigung

Die Bestätigung eines positiven Resultats des Neugeborenenscreenings ist immer notwendig. Häufig kann die Diagnosebestätigung noch vor der Übermittlung des ersten Ergebnisses an die Eltern erfolgen.

Neugeborenenscreenings in Europa

Die häufigsten Krankheiten, die im Rahmen eines Neugebo-renenscreenings getestet werden, sind Phenylketonurie (eine therapierbare Krankheit, die untherapiert zu geistiger Retardierung oder Hirn-schäden führt) sowie kongeni-tale Hypothyreose (ein Hor-monmangel, der untherapiert zu Wachstumsstörungen und geistiger Retardierung führt).

Pilot-Screenings

Zur Evaluierung des Screeningprogramms und um zu entscheiden, ob ein Test für eine neue Krankheit aufgenommen werden soll, werden vor der Einführung des nationalen Programms Pilotstudien vorgenommen.

Issue cards

Issue cards contain questions, open problems and different points of view about the topic of the kit.
Wann ist eine Diagnose wichtig?

Einige vertreten die Auffassung, dass die Diagnose einer schweren Krankheit ein eigenständiges Ziel darstellt, selbst wenn der einzige Zweck darin besteht, dass zusätzliche Tests vermieden werden. Andere wiederum meinen, dass eine Information ohne klinischen Nutzen sinnlos ist und sogar grausam sein kann.

Neugeborenenscreenings können unfreiwillig sein

In der Regel ist für die Durchführung eines Neugeborenenscreenings in fast allen europäischen Ländern das Einverständnis der Eltern erforderlich. Viele sind allerdings der Meinung, dass die Tests praktisch aufgezwungen werden, da die seitens der Ärzte angebotenen Informationen in vielen Fällen nicht ausreichend sind.

Wie weit sollen wir gehen?

Wenn wir uns entscheiden, 1, 2, 5 oder 10 Krankheiten zu testen – wo hören wir auf? Sollten wir für alle 6.000 bis 7.000 seltenen Krankheiten Tests vornehmen?

Neugeborenenscreenings als Pflicht?

Sollten Neugeborenenscreenings gesetzlich vorgeschrieben und kostenlos sein, wenn eine frühzeitige Diagnose und Behandlung für das Neugeborene in jedem Fall von Vorteil ist?

Gefahr der Stigmatisierung

Bei einigen ethnischen Minderheiten treten bestimmte Gene häufiger auf (wie die Tay-Sachs-Krankheit in der aschkenasisch-jüdischen Bevölkerung). Können solche Erkenntnisse eine Angst vor Stigmatisierung in dieser Bevölkerungsgruppe erzeugen?

Vorteile trotz fehlender Behandlungsmöglichkeit

Selbst wenn für einige genetischen Krankheiten, die kurz nach der Geburt diagnostiziert werden können, keine wirksamen Behandlungsoptionen bestehen, lohnen sich Neugeborenenscreenings nicht trotzdem für die Betroffenen? Sie können den Eltern eine Entscheidungsgrundlage für künftige Schwangerschaften und zusätzliches Wissen über die Krankheit ihres Kindes ermöglichen.

Das Recht, nicht zu wissen, oder die Pflicht zu wissen?

Was ist wichtiger: das Recht des Einzelnen, nicht zu wissen, dass er von einer genetisch bedingten Krankheit betroffen ist, oder das Interesse anderer wie nachfolgende Generationen, Familienmitglieder oder die Gesellschaft insgesamt?

Die Bedeutung der Beratung

Neugeborenenscreenings können große Ängste hervorrufen. Eine angemessene Beratung und verlässliche Informationen sind außerordentlich wichtig. Wenn die entsprechenden Ressourcen für eine ausreichende Beratung nicht verfügbar sind, sollten wir dennoch mit den Screenings der Bevölkerung fortfahren?

Komplikationen bei sehr seltenen Krankheiten

Wenn eine Bevölkerung auf extrem seltene Krankheiten untersucht wird, kann auch eine hochspezifische und sensitive Methode zu einer großen Zahl falschpositiver Testergebnisse führen. Ausschlussgrenzwerte für jeden Test können die falschpositiven Befunde gering halten.

Sind Familienmitglieder zum Wissen verpflichtet?

Ist der Arzt nach einem positiven Neugeborenenscreening aus ethischen Gründen dazu verpflichtet, auch ohne vorliegendes Einverständnis die Familienmitglieder des Kindes, die ebenfalls betroffen sein könnten, in Kenntnis zu setzen?

Erhebliche Screeningkosten

Wird ein erweitertes Screening möglicherweise anderen wichtigen Programmen des Gesundheitssystems die knappen Ressourcen entziehen?

Erweiterung der Neugeborenenscreenings?

Bei einer Erweiterung des Neugeborenenscreenings wäre ein erheblicher Zeitaufwand zur Implementierung einer komplexen Infrastruktur für Tests, Aufklärung, Behandlung und Folgeuntersuchungen erforderlich, da diese Maßnahmen in vielen Ländern bisher nicht existieren.

Screening nur für therapierbare Krankheiten

Einige betrachten die Beschränkung der Tests auf Krankheiten, für die bereits eine Behandlungsmöglichkeit besteht, als Dogma, das uns zur Ignoranz verurteilt und die Entwicklung einer solchen Behandlungsoption behindert, da Patienten nicht identifiziert werden können, bis die ersten Symptome auftreten und eine wirksame Vorbeugung nicht mehr möglich ist.

Die Bedeutung des Datenschutzes

Welche Datenschutzfragen gilt es im Zusammenhang mit Neugeborenenscreenings zu beachten? Denken Sie an die Nutzung der Informationen durch die Polizei, Lebensversicherungen oder Arbeitgeber.

Optimierung der Screeningmethoden

Das Wissen über Erfolg und Versagen der Neugeborenenscreening-Programme wächst kontinuierlich. Sollten diese Programme nicht regelmäßig überarbeitet werden, um Tests zu ergänzen, auszuschließen oder zu optimieren?

Screening und wirtschaftliche Aspekte

Für die Berechnung der Screeningkosten der genetisch bedingten Krankheiten sind die zusätzlichen Kosten der früheren Behandlung sowie der lebenslänglichen Behandlung von Patienten zu berücksichtigen, die ohne Screening vorzeitig verstorben wären.

Ermessen der Vorteile

Wie alle medizinischen Interventionen sollten Neugeborenenscreenings mehr Nutzen bringen als Schaden anrichten.

Übertherapie aufgrund von Screening

Screening kann zur „Übertherapie“ fragwürdiger Abnormitäten führen, wenn die Krankheit wenig bekannt und die Behandlung unausgereift ist.

Falsche Screening-Ergebnisse

Bedenken Sie die falsche Erleichterung der Eltern, deren Kind ein falschnegatives Ergebnis erhält, und die unnötigen Sorgen der Eltern, deren Kind ein falschpositives Ergebnis erhält.

Screenings von Immigranten

Einige Krankheiten sind in bestimmten Ländern häufiger als in anderen (z. B. das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom in Polen). Wenn Menschen aus ihrem Geburtsland auswandern, könnten sie das Screening verpassen. Sollte das Neugeborenenscreening für ihre Kinder angeboten werden?

Vorteile für Patienten mit unheilbaren Krankheiten

Wenn ein Kind seine genetischen Informationen frühzeitig erfährt, kann es sich mit diesem Teil seiner Identität besser auseinandersetzen. Werden die Informationen dem Kind spät mitgeteilt, kann es ihm schwerer fallen, diese zu akzeptieren.

Aus welchen Gründen lehnen Eltern Test auf unheilbare Krankheiten ab?

Denken Sie an die Folgen für die Verwandten, das Fehlen einer Heilungschance, den möglichen Verlust einer Lebensversicherung, die finanziellen Kosten und die Unmöglichkeit, das Wissen rückgängig zu machen.

Konsequenzen der Offenlegung genetischer Informationen

Wer die Ergebnisse von Gentests seiner Lebensversicherung oder Bank mitteilt, dem kann eine Lebensversicherung verweigert oder ein Kredit gekündigt werden. Arbeitgeber, die von nachteiligen genetischen Informationen Kenntnis erhalten, können einen Betroffenen entlassen oder nicht einstellen, um Belastungen für das Unternehmen zu vermeiden.

Freiwilligkeit von Neugeborenenscreenings

Im Fall der Einwilligung für Neugeborenenscreenings handeln die Eltern im Interesse ihres Kindes. Der Umstand, dass nicht die untersuchte Person selbst entscheidet, wie bei anderen Untersuchungen, macht Neugeborenenscreenings zu einem besonderen ethischen Dilemma.

Story cards

Mary Jones
Als meine Tochter drei Wochen alt war, wurde bei ihr Mukoviszidose im Rahmen des Neugeborenenscreenings festgestellt. Sie war sehr dünn, was die Ärzte zuvor auf eine Gedeihstörung zurückführten. Kurz nach Beginn der Verabreichung von Pankreasenzymen begann sie, sich besser zu entwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass das Neugeborenenscreening Hannah die besten Überlebenschancen ermöglicht hat. Auch wenn derzeit keine Heilung möglich ist, sind wir fest entschlossen, ihre Gesundheit zu bewahren, bis eine wirksame Therapie gefunden wird. Wir sind froh, dass die Krankheit bei ihr frühzeitig diagnostiziert werden konnte.
Liz Pizzey
Im Alter von 6 Jahren wurde bei meinem Sohn Nick eine seltene Stoffwechselkrankheit diagnostiziert. Fast drei Jahre nach seinem Tod leidet unsere Familie noch immer an einer seltenen Krankheit: Meine Ehe ist aufgrund der Belastung durch den Verlust eines Kindes zerbrochen, und meine Tochter war wegen der Trauer um ihren kleinen Bruder und den Auszug ihres Vaters unfähig, an den Abiturprüfungen teilzunehmen. Wäre bei Nick die Krankheit früher erkannt worden, hätte unser Leben einen anderen Verlauf genommen, denn bei einer frühzeitigen Diagnose ist eine Kontrolle dieser Krankheit durch Medikamente möglich.
Sonja Haarhuis
Von klein auf aß mein Sohn gern und lag immer über dem Normalgewicht seines Alters. Verwandte und Freunde warfen mir vor, dass ich mich nicht ausreichend um ihn kümmerte, und ermahnten mich, ihn nicht so viel essen zu lassen. Das habe ich versucht, aber ohne Erfolg. Ich fühlte mich schuldig. Nach Besuchen bei vielen verschiedenen Ärzten diagnostizierte ein Arzt eine seltene Stoffwechselstörung bei meinem Sohn. Dies war die Ursache für sein Übergewicht und seine Probleme mit dem Essen. Er sagte auch, wenn diese Krankheit im Rahmen des Neugeborenenscreenings getestet worden wäre, wüsste ich seit langem Bescheid und mir und ihm wären alle diese Fragen und Schuldgefühle erspart geblieben. Ich wünschte, ich hätte von der Krankheit früher gewusst.
Spyros Nicolaou
Meine Tochter wurde in Rumänien geboren, als mein Mann und ich ein Sabbatjahr dort verbrachten. Als sie geboren wurde, bemerkten die Ärzte ihre schwache Verfassung und erklärten mir, dass dies eine Folge der langen und schweren Arbeit war. Bei der Rückkehr in unsere Heimat bestanden diese Probleme weiterhin. Meine anfangs sehr dünne und schwer zu fütternde Tochter entwickelte ein obsessives Interesse am Essen. Nach mehreren Jahren und zahlreichen Arztbesuchen wurde bei ihr das Prader-Willi-Syndrom (PWS) festgestellt. Wenn sie zu Hause geboren wäre, hätte man sie beim Neugeborenenscreening auf diese Erkrankung getestet, und wir hätten sie von Beginn an angemessen versorgen können.
Gordon Creek
Ich bin Inhaber einer kleinen Versicherungsfirma. Ich habe gehört, dass die Daten des Neugeborenenscreenings veröffentlicht werden, und bin gespannt, ob wir Zugang zu diesen Daten erhalten. Wir benötigen diese Daten, um unsere Versicherungskategorien und -preise neu zu definieren. Versicherungen funktionieren nach dem Prinzip des geteilten Risikos. Wenn das Risiko unbekannt ist, wird es von jedem gleichermaßen getragen. Wenn künftig jeder seine genetisch bedingten Krankheiten kennt, bedeutet dies höhere Prämien für Versicherte mit höherem Risiko. Unser Geschäft ist anders nicht möglich, und es wäre nicht gerecht, dass Menschen, die wissen, dass sie eine genetisch bedingte Krankheit entwickeln werden, sich bei uns versichern, ohne diese Information offenzulegen.
Janice Fortune
Ich habe erfahren, dass meine Krankheit künftig bei Neugeborenenscreenings getestet wird. Obwohl die Krankheit nicht heilbar ist, erlaubt eine frühzeitige Diagnose Eltern wie meinen eine Entscheidung darüber, ob sie weitere Kinder haben wollen, die womöglich an derselben Krankheit leiden. Ich empfinde das so, als würde man mich als bedauernswerten Fehler bezeichnen. Hätten meine Eltern vorher von meinem genetischen Defekt gewusst, hätten sie meine Geburt wahrscheinlich verhindert, um keine weiteren Kinder wie mich in die Welt zu setzen.
Francois Adjas
Als bei unserer Tochter Phenylketonurie festgestellt wurde, hat sich ein Arzt mit uns zusammengesetzt und uns das Ergebnis ihres Gentests gezeigt, auf dem die Worte ‘Anormaler Befund' standen. Er gestand, niemals zuvor ein anderes Kind mit dieser Erkrankung gesehen zu haben, und dass er sich außerstande sähe, unsere Fragen zu beantworten. Rückblickend sind wir sehr froh, dass diese Diagnose früh genug gestellt wurde, aber wir mussten eine sehr schwere Zeit der Ungewissheit durchstehen, bis wir einen Arzt fanden, der uns die Situation erklären konnte. Die Diagnose allein reicht nicht aus. Die Ärzte müssen fähig sein, alle deine Fragen zu beantworten.
Monica Rossi
Kurz nach ihrer Geburt wurde meine Tochter auf die Ahornsirupkrankheit getestet. Babys mit dieser Krankheit wirken bei ihrer Geburt gesund, erleiden aber ohne Therapie Hirnschäden und sterben schließlich an deren Folgen. Ich stimmte dem Test zu, und einige Tage später rief uns der Arzt an. Er informierte uns über die Möglichkeit, dass das Baby die MSD-Krankheit hat, dieses Ergebnis müsse jedoch in weiteren Tests bestätigt werden. Die Tests dauerten mehrere Wochen, und zahlreiche Arztbesuche waren notwendig. Schließlich stellte sich heraus, dass meine Tochter gesund war. Ich war ein psychisches Wrack. Nach der anstrengenden Geburt war die Phase der Ungewissheit eine schwere Zeit für mich und meine Familie.

Policies

The policy positions on which participants vote after the discussion. It is always possible for a group to make their own policy and vote on that as well.

Die nationalen Gesundheitssysteme können über die im Rahmen der Neugeborenenscreenings getesteten Krankheiten entscheiden, ob therapierbar oder nicht, sowie über die Verfügbarkeit der genetischen Daten, ohne die Genehmigung der EU oder einer unabhängigen Institution.

Die nationalen Gesundheitssysteme wählen die getesteten Krankheiten für das Neugeborenenscreening aus, eine unabhängige europäische Behörde wird jedoch das Neugeborenenscreening koordinieren und Empfehlungen für die Verfahrensregeln herausgeben.

Die europäische Gesetzgebung soll ein harmonisiertes Neugeborenenscreening für schwere, therapierbare genetisch bedingte Krankheiten sicherstellen, oder wenn ein medizinischer Nutzen nachgewiesen wurde. Eine spezielle Genehmigung von einer unabhängigen europäischen Organisation wird für nicht therapierbare Krankheiten verlangt. Die genetischen Informationen sollen von einer unabhängigen nationalen Institution geschützt werden.

Genehmigung, Überwachung und Auswertung der Neugeborenenscreening-Programme auf europäischer Ebene. Eine unabhängige europäische Organisation wird die Testergebnisse speichern und genetische Daten schützen.

Advanced

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