Basics
Was ist PID?
Diese Technologie ermöglicht es zukünftigen Eltern, Merkmale ihres ungeborenen Kindes zu selektieren. Auf diese Weise kann die Weitervererbung einer genetisch bedingten Erkrankung und damit auch die schwerwiegende Entscheidung vermieden werden, ob eine betroffene Schwangerschaft abgebrochen werden soll. Mittels konventioneller in vitro Fertilisation werden Embryonen hergestellt. Sobald der Embryo das Achtzellenstadium erreicht, werden eine oder zwei Zellen für eine DNA-Analyse entnommen, um das Vorhandensein spezifischer genetischer Merkmale zu untersuchen. Wird keine spezifische, genetisch bedingte Krankheit festgestellt, kann der Embryo in den Uterus transferiert und die Schwangerschaft fortgesetzt werden.
Es ist wichtig, über PID zu reden, weil sie zentrale Fragen aufwirft wie z.B.
• Inwieweit sollten Ethik, Wahlfreiheit und Einkommenssituation in diesem Bereich ausschlaggebend sein?
• Hat die Gesellschaft eine Verantwortung, die sozialen und ethischen Aspekte zu berücksichtigen und der klinischen Praxis und individueller Wahlfreiheit Grenzen zu setzen?
• Gibt es einen absoluten Unterschied zwischen genetischer Krankheit, Behinderung und normaler Variabilität?
Info cards
Wenn die Zelle entnommen wird, hat der Embryo 8 Zellen und ist 1.2 Tage alt.
Wenn sich bei den Tests herausstellt, dass der Embryo frei von spezifischen Gendefekten ist, wird er in den Uterus der Frau transferiert.
Die PID (Präimplantationsdiagnostik) beinhaltet Gentests einer oder mehrerer Zellen, die einem durch In-vitro-Fertilisation befruchteten Embryo entnommen werden.
Die Hauptalternative zu PID ist pränatale Diagnostik mit selektiver Abtreibung. Die pränatale Diagnostik beinhaltet Tests, die an einer bereits schwangeren Frau vorgenommen werden.
Aufgrund von PID-Tests wurden seit 1990 tausende gesunde Babys geboren.
Die PID kann viele genetisch bedingte Erkrankungen erkennen, die nur männliche Nachkommen betreffen. Dementsprechend können weibliche Embryonen ausgewählt werden, selbst wenn nicht viel über die Erkrankung bekannt ist. Die PID dient in diesen Fällen zur Identifizierung und Aussonderung von männlichen Embryonen, die von der Erkrankung betroffen sein können.
Eltern eines kranken Kindes haben die PID eingesetzt, um ein weiteres Kind zu zeugen, das Stammzellen aus dem Nabelschnurblut für sein krankes Zwillingsgeschwister spenden kann.
Die PID wird derzeit eingesetzt, um eine wachsende Zahl genetisch bedingter Erkrankungen festzustellen, die schwer behandelbar sind und mit hoher Wahrscheinlichkeit von den Eltern vererbt werden.
Die PID wird vor allem zur Feststellung von Erbkrankheiten eingesetzt, die auf ein einziges Gen zurückgeführt werden können, z. B. Mukoviszidose oder die Huntington-Krankheit.
Die PID bietet Familien, bei denen eine genetische Erbkrankheit besteht, die Möglichkeit, gesunde Kinder zur Welt zu bringen.
Viele Eltern, die PID-Tests vornehmen lassen, haben bereits ein Kind mit genetisch bedingter Erkrankung und wünschen sich ein weiteres Kind, das nicht betroffen ist.
Bei bestimmten Krankheiten bieten PID-Tests die Möglichkeit, die Schwangerschaft mit einem Kind zu vermeiden, das Träger einer Erbkrankheit oder selbst an ihr erkrankt ist.
Alle Charaktermerkmale und die meisten physischen Merkmale hängen von einer Kombination verschiedener Gene sowie der Umgebung ab.
PID-Tests können nicht zur Bestimmung der Summe von Charaktermerkmalen eingesetzt werden.
PID wird (in den USA, im Mittleren Osten, etc.) bereits aus sozialen und nicht aus medizinischen Gründen eingesetzt, um das Geschlecht des Embryos auszuwählen.
Die In-vitro-Fertilisation ist ein physisch, emotional und finanziell belastender Eingriff und erfordert Medikamente mit möglichen Nebenwirkungen.
Embryonen, die nicht in den Uterus verpflanzt werden, können entsorgt, für eine spätere Verwendung eingefroren oder für Forschungszwecke verwendet werden.
Jeder IVF-Zyklus verursacht Kosten zwischen 3.000 und 4.000 Euro, bei einer durchschnittlichen Erfolgsrate von bis zu 30 Prozent Lebendgeburten pro Zyklus (abhängig vom Alter der Frau).
Nachdem die Embryonen drei bis fünf Tage lang in einer Zellkultur gewachsen sind (mit einem Durchmesser von einem Fünftel Millimeter), werden ein oder zwei Embryonen in die Gebärmutter transferiert, wo sie sich einige Tage später einnisten.
Ein Test wie Amniocentese (mit einer Nadel wird Fruchtwasser entnommen) wird heute schwangeren Frauen mit erhöhtem Risiko für fötale Missbildungen routinemäßig angeboten.
In England und Wales wurden 2004 1.900 Abtreibungen durchgeführt, weil das Risiko für Missbildungen beim Kind bestand. Insgesamt wurden 185.400 Abtreibungen durchgeführt.
Abtreibungsfristen sind in den EU-Ländern unterschiedlich geregelt: in Deutschland und Österreich bis zur 12. Schwanger¬schafts¬woche mit Beratungspflicht, in anderen EU-Ländern bis zur 24. Woche. Es gibt in vielen Ländern keine Frist für die Abtreibung von Föten mit schweren Abnormalitäten.
Bei einigen pränatalen Tests besteht ein geringes Risiko (rund 1 % oder darunter) einer Fehlgeburt oder einer Schädigung des Fötus.
2003 empfahl die britische “Human Fertilisation and Embryology Authority” ein Verbot von Geschlechtsselektion aus nicht-medizinischen Gründen.
Die ausgeglichene chromosomale Translokation eines Partners ist unbedenklich, solange er oder sie kein Kind in die Welt setzt. Wenn sich die Chromosomen mit denen des Partners verbinden, entstehen jedoch Embryonen, die einem hohen Risiko von Fehlgeburt oder Geburtsfehlern ausgesetzt sind.
Menschliche Eizellen sind häufig chromosomal abnorm, und dieses Risiko steigt mit dem Alter der Frau. Etwa 25 bis 40 % der menschlichen Embryonen weisen irgendeine Form von chromosomaler Anomalie auf. Dieser Anteil steigt auf 50 %, wenn die Frau älter als 40 Jahre ist.
Die Entnahme von Zellen des Embryos ist auch im Blastozystenstadium möglich (5 bis 6 Tage nach der Befruchtung, der Embryo besitzt dann 100 oder mehr Zellen).
Issue cards
In China ist die Abtreibung von fehlgebildeten Föten Pflicht. Bedeutet das einen Dammbruch für uns alle?
Können regulatorische oder technische Einschränkungen der PID verhindern, dass Designerbabys erschaffen werden?
Es ist zu erwarten, dass zukünftig mehr Krankheiten durch PID diagnostiziert werden können.
Der Einsatz von PID verstärkt “Qualitätskontrolle” der Reproduktion und könnte eugenische Anwendungen und Effekte haben. Eugenik ist eine gezielte Steuerung des genetischen Erbguts des Menschen.
Besteht bei der Anwendung von PID-Tests eine klare Trennungslinie zwischen der Vermeidung von genetisch bedingten Erkrankungen und Eugenik? Eugenik ist eine gezielte Steuerung des genetischen Erbguts des Menschen.
Hat die Gesellschaft die Verpflichtung, soziale und ethische Aspekte einzubeziehen und Grenzen für klinische Praxis und individuelle Entscheidungsfreiheit zu setzen?
“Bald wird es eine Sünde für Eltern sein, ein Kind mit schwerer genetischer Krankheit zu haben.’ (Bob Edwards, IVF Pionier).
Die Entscheidung, einen betroffenen Embryo nicht zu transferieren, ist nicht gleichbedeutend mit Babystöten. (Anon)
PID und Pränataldiagnostik könnten eine Konsumhaltung gegenüber Kindern begünstigen.
Sollten Einrichtung des Gesundheitswesens die Selektion einer Behinderung unterstützen (z. B. Taubheit oder Kleinwuchs), wenn behinderte Eltern ein Kind mit derselben Behinderung wünschen?
Es könnte billiger und effizienter sein, das Screening durch PND fortzusetzen anstatt in PID zu investieren.
Der Erfolg von IVF – und daher von PID – ist abhängig von der Möglichkeit, private Behandlung zu bezahlen. Das ist grundsätzlich unfair.
Reiche Menschen haben nicht nur gesünderer Babys, sondern könnten in Zukunft auch Babys mit besseren intellektuellen und körperlichen Fähigkeiten haben.
Eltern investieren Zeit und Geld, um Vorteile für ihre Kinder zu schaffen. Sollte die Gesellschaft zwischen verschiedenen Methoden dabei unterscheiden?
Priorität für PID sollten Familien mit genetischer Krankheit haben.
Patienten sollten das Recht haben, sich für oder gegen die PID zu entscheiden, ebenso wie sie über andere Fragen der Familienplanung entscheiden können.
Beratung, Information und Unterstützung sollten für alle verfügbar sein. Das medizinische System sollte die Entscheidung von Paaren über Schwangerschaft und Behinderung unterstützen.
Das Vermeiden, Kinder mit Behinderung zu gebären, beruht auf gesellschaftlicher Angst und Unwissen über Behinderung und mangelnde soziale Unterstützung.
Das Vermeiden, Kinder mit Behinderung zu gebären, beruht auf gesellschaftlicher Angst und Unwissen über Behinderung und mangelnde soziale Unterstützung.
Behinderung ist sozial definiert. Bis vor kurzem galt Homosexualität als psychiatrische Störung.
Viele Menschen, die taub geboren wurden, sehen sich als kulturelle und sprachliche Minderheit, nicht als Menschen mit einer Behinderung.
Der Schweregrad einer spezifischen, genetisch bedingten Erkrankung, die zur Behinderung führen kann, hängt nicht nur von der klinischen Beurteilung, sondern auch von der Sichtweise und den Ressourcen behinderter Personen und der Familien ab, die von einer solchen Erkrankung betroffen sind.
PID bietet eine Lösung (Menschen mit Beeinträchtigungen ausschalten) für ein soziales Problem an (die Art, wie die Gesellschaft mit behinderten Menschen umgeht).
Es muss die Balance gewahrt bleiben zwischen den Investitionen in neue Gentest-Methoden und den Investitionen in Beratung, Informationsangeboten und Schulungen für medizinisches Personal.
Genetische Erklärungen für Behinderung können die Aufmerksamkeit von nicht-genetischen Möglichkeiten ablenken, die Lebensqualität behinderter Menschen zu verbessern.
Gesundheitsspezialisten haben sehr unterschiedliches Wissen über diese Gebiete, daher erhalten Patientinnen auch sehr unterschiedliche Informationen.
Diese Variante ist technisch einfacher und ermöglicht die Analyse einer größeren Anzahl von Zellen. Ein Nachteil ist jedoch, dass weniger Zeit für Analyse, Erklärung und Entscheidungsprozess verbleibt, bevor die Embryonen in den Uterus transferiert werden müssen.
Story cards
Policies
Der Markt wird nicht reguliert. Paare dürfen Tests an Embryonen zur Feststellung von Geschlecht und Persönlichkeitsmerkmalen vornehmen lassen.
Nur bestimmte fachlich geeignete Organisationen dürfen Tests zur Erkennung genetischer Krankheiten durchführen und wenden freiwillige Verfahrensregeln an. Eine unabhängige Institution überwacht diese Praxis. Genehmigungen sind nicht erforderlich.
Test dürfen nur zur Erkennung genetischer Krankheiten mit ernsten medizinischen Konsequenzen eingesetzt werden. Die Bestimmung des Geschlechts oder der Persönlichkeitsmerkmale ist nicht gestattet. Genehmigungen werden für bestimmte Tests und Krankheiten erteilt. Unabhängige Überwachung und Auswertung.
Eine entsprechende Genehmigung ist erforderlich. Strenge Überwachung und Auswertung. In jedem Land speichert eine unabhängige Institution (wie die britische Human Fertilization and Embryology Authority) sämtliche vorgenommenen Tests.



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